Am 3. März ist der Tag des Artenschutzes. Der Tag wurde 1973 im Rahmen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) eingeführt und wird seitdem am Tag der Unterzeichnung begangen. Seitdem sind weltweit Unternehmen und Organisationen aufgerufen, die Bedeutung von verschiedenen Tieren für die Umwelt zu verdeutlichen. Im Jahr 2022 stand der Tag des Artenschutzes unter dem Motto „Recovering Key Species for Ecosystem Restoration“, am besten übersetzt mit „Wiederherstellung von Schlüsselarten für den Erhalt von Ökosystemen“. In Deutschland sind die Bienen das beste Beispiel für Schlüsselarten. Wir möchten aber ebenfalls einen Überblick über einige weitere Insekten geben, die immer wieder vergessen werden und auch unter Artenschutz stehen.
Schlüsselarten in der Biologie
Der Tag des Artenschutzes drehte sich 2022 um Schlüsselarten (ein Video zum Motto gibt es auf YouTube). Den Begriff „Keystone Species“ prägte 1969 der Zoologe Robert Paine. Im Deutschen wird es mit „Schlüsselarten“ übersetzt, obwohl „Schlussstein-Arten“ treffender gewählt wäre. In der Architektur dient ein Schlussstein dazu, einen Bogen oder das Gewölbe zu verschließen. Erst durch das Setzen des Schlusssteins kann die Stabilität komplett gewährleistet werden und das Bauwerk nicht mehr einstürzen.
Gleiches gilt für die Schlüsselarten in einem Ökosystem, durch die es seine Biodiversität erhalten kann. Wenn eine Schlüsselart verschwindet, verändert sich das Ökosystem sehr stark und andere Arten sterben vielleicht komplett aus. Das kann bis zu einem Kollaps des Ökosystems führen.

Ein Seestern auf dem Meeresgrund – das erste beschriebene Beispiel für eine Schlüsselart.
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Trendbox entdeckenBeispiele für Schlüsselarten: Seesterne, Biber und Elefanten
Es gibt viele wissenschaftliche Diskussionen um das Erkennen von Schlüsselarten. Leider erkennt man die meisten Arten erst, wenn sie aus dem Ökosystem verschwunden sind. Einige Beispiele lassen sich dennoch sehr schnell erklären.
Robert Paine beschrieb Seesterne als essenziell für das Überleben bestimmter Ökosysteme. Ohne sie würden sich schnell Miesmuscheln verbreiten, die dann viele andere Arten verdrängen. Das gilt auch für viele andere Jäger wie Haie oder Wölfe, die die Fisch-, Rothirsch- oder auch Hasenpopulationen konstant halten.
Biber sind ebenfalls eine Schlüsselart, da sie durch den Dammbau an Flüssen Platz für junge Bäume schaffen und zudem staunasse Flächen kreieren, auf denen sich lediglich bestimmte Pflanzen ausbreiten.
Schlussendlich zählen selbst Elefanten in der Savanne als Schlüsselarten, da sie junge Triebe von Akazien fressen. Sie sorgen dafür, dass die Savanne baumfrei bleibt – eine Verwaldung wäre die Konsequenz ihres Fehlens, die das ganze Ökosystem verändern würde.

Ein Biber transportiert einen Stock zu seinem Damm.
Schlüsselarten in Deutschland: Bienen
In Deutschland werden Bienen immer als besonders wichtige Schlüsselart ausgewiesen. Viele Pflanzenarten sind von der Bestäubung durch Bienen abhängig, was die Konsequenz aus einer Koevolution der Biene mit vielen bedecktsamigen Blütenpflanzen ist. Es kam zu einer überaus reichen Artenvielfalt, die abhängig von den kleinen Insekten wurde. Ohne Bienen kann es zu einer Kettenreaktion besonderer Tragweite kommen.
Laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sind 80 Prozent der 800 in Deutschland heimischen Nutz- und Wildpflanzen auf Honigbienen als Bestäuber angewiesen. Für das Sammeln des Nektars für 500 Gramm Honig bestäuben Honigbienen etwa 75.000.000 Blüten. Rund 85 Prozent der Erträge im Pflanzen- und Obstbau hängen in Deutschland von der Bestäubungsleistung durch Honigbienen ab – damit sind sie ein großer wirtschaftlicher Faktor.

Eine Seidenbiene – eine der vielen Wildbienenarten
Vergesst die Wildbienen nicht
Neben den Honigbienen gibt es auch 585 Wildbienenarten in Deutschland, die ebenfalls nicht vergessen werden sollten. Anders als Honigbienen sind die meisten Wildbienenarten nicht in sozialen Gruppen organisiert und gehen allein durch das Leben, daher werden sie auch als Solitär- oder Einsiedlerbienen bezeichnet. 175 Wildbienenarten haben sich zudem auf das Sammeln bestimmter Pollenarten spezialisiert, die sie für den Nachwuchs in ihren Nestern sammeln. Es gibt aber auch 135 sogenannte Kuckucksbienenarten, die ihre Eier in die Nester anderer Wildbienen legen.
Der Lebenszyklus von pollensammelnden Wildbienen ist relativ ähnlich. Die Brutpflege ist Aufgabe des Weibchens, das auch einen geeigneten Hohlraum für den Nachwuchs sucht. Mauerfugen, Schneckenhäuser oder Erdhöhlen können als Unterschlupf dienen. Die Eier schlüpfen nach zwei bis zehn Tagen. Es braucht zwei bis vier Wochen, bis sich die Larven über verschiedene Stadien zur Puppe entwickeln und einen Kokon aus Seide spinnen. Teilweise warten die Bienen bis zum nächsten Frühjahr, um aus dem Nest zu fliegen. Manche Wildbienenarten bringen aber auch mehrere Generationen in einem Jahr hervor.
Die meisten Wildbienen-Weibchen leben etwa vier bis acht Wochen. In der Zeit sammeln sie Pollen für die Nachkommen und können dabei bis zu 40.000 Pflanzen bestäuben.
Unterschiede zwischen Bienen, Wespen, Hummeln und Hornissen
Es gibt immer noch viele Menschen, die Vorurteile gegen Insekten und speziell Bienen, Wespen, Hummeln oder auch Hornissen haben. Zumeist wird ihnen ein aggressives Verhalten nachgesagt. An dieser Stelle zur Klarstellung: Honigbienen, Wildbienen, Wespen, Hummeln und Hornissen sind nicht aggressiv. Sie stechen lediglich zu, wenn sie sich bedroht fühlen!
Alle Wildbienen- und Wespenarten stehen unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG). Arten wie die Hornisse, die Sächsische oder die Gallische Wespe sind durch § 44 BNatSchG besonders geschützt. Die Beseitigung der Nester ist nur in Ausnahmefällen möglich. Laut Nabu stehen dennoch etwa 46 Prozent der heimischen Wespen auf der Roten Liste. Die Unterschiede im Überblick:
- Honigbiene: ca. 1,5 cm, bräunlicher Hinterleib mit gelblichen Streifen, sehr behaart, langer Rüssel. Der Stachel bleibt nach dem Stich stecken, sie kann nur einmal zustechen.
- Wespe: ca. 1,5 cm, Wespentaille, nicht behaart, auffällige schwarz-gelbe Streifen, kurze Mundwerkzeuge. Der Stachel bleibt nicht stecken, sie kann mehrmals zustechen.
- Hummel: ca. 2 cm, dicht behaart, braun- bzw. schwarz-weiße Streifen, langer Rüssel. Nicht aggressiv, sticht selten.
- Hornisse: ca. 3 bis 4 cm, auffällig schwarz-gelbe Streifen. Sehr friedlich, greift äußerst selten an.

Eine Hummel auf der Suche nach Pollen
Wespen und Hornissen: besser als ihr Ruf
Vor Hornissen und Wespen haben die meisten Menschen Angst. Sie stechen aber nur sehr selten zu. Bei Hornissen wird zudem weniger Gift beim Stich abgegeben, als es bei Bienen und Wespen der Fall ist. Wespen haben im Allgemeinen einen eher schlechten Ruf, da sie keine reinen Vegetarier wie Bienen sind. Ihre Beutetiere sind unter anderem Fliegen, Blattläuse, Raupen und weitere Insekten. Für Gärtner*innen können sie daher gute und natürliche Schädlingsbekämpfer sein.
Nach der Lindenblüte beginnt für die Wespen eine Mangelzeit und sie gehen auf Futtersuche. Eiweiß können sie auch aus Wurst und Fleisch erhalten, daher sind sie unliebsame Begleiter beim BBQ – das Eiweiß brauchen sie für die Brut. Kohlenhydrate von Kuchen oder anderen Süßspeisen nutzen sie für sich selbst.

Eine Wespe bei der Jagd nach kleinen Insekten auf einem Blatt
Tipps gegen lästige Bienen, Wespen und Co.
Wenn ein Fluginsekt auftaucht, solltest du immer die Ruhe bewahren. Das Schlagen oder Wegschieben der Wespen, Bienen, Hummeln oder Hornissen ist zu unterlassen. Sie werden dadurch in der Regel nur aggressiver. Das Anpusten ist auch keine gute Idee, da das Kohlendioxid in der Atemluft ein Alarmsignal für die Tiere ist. Am besten sollten Speisen immer zugedeckt sein, damit sie nicht angelockt werden. Reste einfach sofort abräumen und vor allem in Parks offene Abfallbehälter meiden. Süßlich riechendes Parfum zieht sie ebenfalls an, verzichte also besser darauf. Eine gute Idee ist es auch, Wespen mit abseits stehenden Zuckerlösungen abzulenken – so richtest du ihnen einen eigenen Futterplatz ein.
Um Bienen und anderen Insekten zu helfen, kannst du eine Menge tun. Es gibt Insektenhotels für fast jede Art, sie müssen nur aufgestellt oder auf dem Balkon beziehungsweise im Garten angebracht werden. Hoffentlich bist du spätestens jetzt von der Nützlichkeit der Schlüsselarten überzeugt und wirst in Zukunft ein wenig mehr auf die Lebewesen achten – das hilft uns allen!




