Unsere Gesellschaft produziert zu viele Lebensmittel und schmeißt den Großteil einfach in den Müll. Lebensmittelverschwendung ist bei uns nach wie vor ein großes Problem, während in weiten Teilen der Welt Menschen noch immer Hunger leiden. Foodsharing-Organisationen versuchen seit Jahren, diesen Trend umzukehren. Was konnten sie bisher erreichen?
Größter Lebensmittelverschwender: Der Einzelhandel
Zum Beginn der Fastenzeit 2019 riefen die Deutsche Umwelthilfe und foodsharing.de zu einer besonderen Challenge auf, dem Verschwendungsfasten. Beide Institutionen wollten damit auf die immensen und vor allem vermeidbaren Verluste von Lebensmitteln in unserer Gesellschaft aufmerksam machen.
Der Begriff Fasten steht für Enthaltsamkeit. Passenderweise nutzten die Deutsche Umwelthilfe und foodsharing.de gerade diesen Termin, um auf die massive Lebensmittelverschwendung im Handel aufmerksam zu machen. Unglaublicher Fakt: Ganze 90 % der unverkauften Lebensmittel landen einfach im Müll. Anschaulicher ausgedrückt sind das etwa 11,5 Millionen Mahlzeiten.
Viele Aktionen zum Thema Lebensmittelverschwendung und Foodsharing in der Vergangenheit zielten auf das Thema Verbraucherbildung ab. Das ist ohne Frage notwendig, denn Konsumenten verursachen bis zu 70 % des vermeidbaren Lebensmittelmülls. Lebensmittelverschwendung passiert allerdings entlang der gesamten Wertschöpfungskette, also auch schon beim Anbau und vor allem im Einzelhandel.

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Trendbox entdeckenDie Challenge gegen Lebensmittelverschwendung
Das Verschwendungsfasten richtete sich an alle Menschen. Die Aktion hatte zum Ziel, der Politik und der breiten Masse als gutes Beispiel voranzugehen. Wer mitmachte, versuchte vom 6. März bis zum 20. April 2019, die eigene Lebensmittelverschwendung auf einem möglichst niedrigen Stand zu halten. Außerdem konnte man sich an zahlreichen politischen Aktionen beteiligen, auf die man mit interessanten Videos und zahlreichen Tipps vorbereitet wurde.
Warum Foodsharing so wichtig ist
Heutzutage ist das Thema Lebensmittelverschwendung für niemanden etwas Neues mehr. Das liegt vor allem an Menschen wie Raphael Fellmer, der wohl einer der bekanntesten Vorreiter der Foodsharing-Bewegung ist. Er startete im Jahr 2010 eine Reise von den Niederlanden nach Mexiko, ganz ohne Geld. Insgesamt lebte er 5 Jahre ohne jegliches Einkommen und wurde in dieser Zeit zum Co-Founder von foodsharing.de, wo er sich ehrenamtlich engagierte.
Auf foodsharing.de vernetzen sich sogenannte Foodsaver und Foodsharer in einer Community. Sie versuchen, überschüssige Lebensmittel aus privaten Haushalten oder dem Handel vor dem Wegwerfen zu retten. Auch zahlreiche politische Aktionen gehen auf das Konto von foodsharing.de.
Foodsharing ist so bedeutend, weil ca. 1 Milliarde Menschen auf der Welt unnötig Hunger leiden müssen. Eine gewaltige Zahl bei rund 8 Milliarden Menschen insgesamt. Tatsächlich produzieren wir Lebensmittel, die 12 Milliarden Menschen satt machen könnten. Erschreckend, hinsichtlich der in absehbarer Zeit noch weiter ansteigenden Zahl der auf der Erde lebenden Menschen.

Was bisher erreicht wurde
Foodsharing ist mittlerweile zum Trendbegriff geworden. Lebensmittelverschwendung ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, hat also geklappt. Doch wie du weiter oben gelesen hast, ist das Thema nicht minder brisant, weil die größten Lebensmittelverschwender oftmals nicht mitziehen.
Das Fazit fällt jedoch nicht vollkommen negativ aus. Das öffentliche Interesse am Thema führte sogar dazu, dass die Politik ein Strategiepapier zur Lebensmittelverschwendung aufsetzte. Das Problem? Leider wird kein Betrieb gezwungen, auch nur eine der Maßnahmen umzusetzen. Kein Wunder also, dass ein Großteil der Einzelhändler weitermacht wie bisher.
Gesetzliches Wegwerfverbot und Forschung
Foodsharing.de und die Deutsche Umwelthilfe setzen sich deshalb für ein gesetzliches Wegwerfverbot ein. Dieses würde Unternehmen verpflichten, überzählige Lebensmittel entweder ihren Kunden zu schenken oder an soziale Einrichtungen abzugeben. Aber auch weniger offensichtlich notwendige Maßnahmen sind in dem Gesetzesvorschlag enthalten. Beispielsweise Regeln, damit Obst und Gemüse weniger leicht auf Äckern zurückgelassen werden dürfen, weil es für den Supermarkt nicht „schön“ genug ist.
Durch das breite öffentliche Interesse am Thema Lebensmittelverschwendung findet auch immer mehr Forschung zur effektiven Ressourcennutzung statt. Natürlich können wir schon viel leisten, indem wir weniger wegwerfen. Jedoch ergeben sich bereits in der Lebensmittelherstellung häufig unvermeidliche Verluste. Um diese zu verringern, werden wir auch in Zukunft immer mehr kluge Köpfe mit guten Ideen brauchen.

Was du tun kannst: Planung beim Einkauf
Wer kennt es nicht: Plötzlich stehst du im Supermarkt, weil im Kühlschrank nichts als gähnende Leere herrscht. Du weißt nur eins: Du hast Hunger. Als du wieder nach Hause kommst, hast du alles Mögliche gekauft, nur nicht das, was du eigentlich kaufen wolltest. Oder die Sonderangebote am Wochenende waren wieder besonders verlockend. Jetzt hast du einen Wochenvorrat Brokkoli, aber keine Ahnung, wann du das alles essen sollst.
Ein bisschen Planung und Selbstdisziplin lösen dieses Problem ganz schnell. Gehe keinesfalls in den Supermarkt, wenn du hungrig bist, und schreibe dir vorher eine Einkaufsliste. Dabei bewährt es sich meistens, häufiger in den Supermarkt zu gehen, als einen einzigen großen Wocheneinkauf zu machen. Nutze dein Gefrierfach, damit du nicht zu viel frisches Obst und Gemüse lagern musst. Bei der Lagerung gehen nämlich Vitamine und Mineralstoffe verloren. Deshalb kann es sein, dass dein tiefgekühlter Blattspinat sogar gesünder ist als die frische Alternative.
Mindesthaltbarkeitsdatum
Lebensmittel, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, können in den meisten Fällen trotzdem noch verzehrt werden. Nur bei einem Verbrauchsdatum ist von einem späteren Genuss abzuraten. Ansonsten kannst du am Aussehen und dem Geruch abschätzen, ob du das Produkt bedenkenlos essen kannst. Trockene Lebensmittel, wie etwa Nudeln, halten sich übrigens viele Jahre über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus.
Kühlschrankordnung und Restekochen
Überlege dir, ob du die Fächer deines Kühlschranks anders anordnest. Um einen besseren Überblick zu behalten, könntest du dir ein Fach aussuchen, in dem du ältere Lebensmittel aufbewahrst, die in den nächsten Tagen verbraucht werden müssen. Nutze Internetseiten wie restegourmet.de, um Rezeptideen zu finden. Dort kannst du in der Suchzeile alle Zutaten eingeben, die dein Gericht enthalten soll. Auf dieser Basis erhältst du anschließend Vorschläge für schmackhafte Gerichte.

Selbst Lebensmittel teilen
Passend zum Thema des Artikels soll natürlich das Foodsharing nicht unerwähnt bleiben. Auf foodsharing.de kannst du dich registrieren und die Lebensmittel anbieten, die du nicht selbst verbrauchen kannst. Natürlich kannst du auch selbst Lebensmittel von anderen Mitgliedern der Community retten.
Foodsharing-Bewegungen sind vor allem ein wichtiges Instrument, um den falschen Umgang mit Lebensmitteln in den Fokus zu rücken. Dies ist, dank zahlloser, vor allem ehrenamtlich tätiger Menschen, bereits geglückt. Es gibt jedoch noch immer viel zu tun, um von der Massenproduktion zu einem gerechteren Blick auf Lebensmittel als „Mittel zum Leben“ zu gelangen.
foodsharing heute: Fairteiler, Essenskörbe und App
foodsharing entstand 2012 und ist nach eigenen Angaben heute eine internationale Bewegung mit über 500.000 Nutzer:innen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und weiteren europäischen Ländern. Laut der foodsharing-Statistik wurden bisher rund 339 Millionen Kilogramm Lebensmittel gerettet; 1.506 Fairteiler werden zum Tausch genutzt (Stand September 2026).
- Fairteiler: Regale oder Kühlschränke, an denen du Lebensmittel kostenfrei abholen oder vorbeibringen kannst. Fairteiler in der Nähe zeigt die foodsharing-Karte.
- Essenskörbe: Damit bietest du eigene überschüssige Lebensmittel an oder holst Lebensmittel bei anderen ab.
- Foodsaver:innen: Sie retten ehrenamtlich Lebensmittel direkt bei kooperierenden Betrieben.
- App: Neben der Website gibt es eine Beta-App von foodsharing.
Die Community ist in Bezirken organisiert, die du über die Bezirkssuche findest. Politisch fordert foodsharing unter anderem einen Wegwerfstopp für Supermärkte und eine Reform des Mindesthaltbarkeitsdatums.
Mehr über foodsharing
Alle Infos zum Mitmachen gibt es direkt bei foodsharing.




